Eugen Roth – Geschütteltes

Du sollst dein krankes Nierenbecken
nicht mit zu kalten Bieren necken.

Auch müsstest du bei Magenleiden
Wein aus sauren Lagen meiden.

Glaub nicht, dass alle Zungen lügen,
die warnen vor den Lungenzügen.

Auf Pille nicht noch Salbe hoff
wer täglich dreizehn Halbe soff.

Wer kann mit frohem Herzen schmausen
wenn tief im Stockzahn Schmerzen hausen?

Du spürst der ganzen Sippe Groll,
die pflegen dich bei Grippe soll.

Statt jeden, der noch lacht, zu neiden,
am Neid dann Tag und Nacht zu leiden,
sich Kummer, weil man litt, zu machen,
ist’s besser, selbst gleich mitzulachen.

Das kleine ZIG

Das kleine ZIG ist Fanal
Mit ZwanZIG kommt´s zum ersten Mal.
Du findest das kleine ZIG recht fein
und möchtest gar nicht älter sein.

Mit DreißIG macht es dir nichts aus
Du kennst im Leben dich schon aus und wirbelst fleißig und geschickt,
bis zum nächsten Male ZIGt.

Mit VierZIG kommst du zur Besinnung,
gehörst schon fest zu diner Innung
und wirfst vielleicht in deinem Glück
auch schon mal einen Blick zurück.

Mit FünfZIG kommt wie Donnerknall
dir vor das keine ZIGsignal.
Du schlägst dir an die Brust im Gehen und denkst:
“Das wollen wir doch mal sehen!”
Und gehst und gehst mit festem Blick,
und plötzlich macht es wieder ZIG.

Du bist erstaunt, ja fast perplex,
denn diesmal steht davor die Sechs.
Du solltest das Leben weiter lieben,
steht auch vor dem ZIG die Sieben!

Dann steht, eh´ du daran gedacht,
das kleine ZIG schon mit der Acht.
Bei bester Gesundheit sollt es uns freu´n,
erreichst du vor dem ZIG die Neun.

Und werden´s hundert Jahr – famos! –
Dann bist ZIG du wieder los!

Vieles ist auch nicht mehr das, was es einmal war!

Alles ist weiter weg als früher:
Es ist doppelt so weit bis zur Ecke und sie haben einen Berg gemacht.

Ich habe es aufgegeben, zum Bus zu rennen:
Er fährt früher als sonst.

Ich glaube, sie machen die Stufen steiler als in alten Tagen.
Und ist dir der kleine Druck der Zeitung aufgefallen?

Es hat keinen Zweck, jemanden zu bitten, er soll lauter lesen,
da alle mit so leiser Stimme sprechen, dass ich sie kaum hören kann.

Der Stoff an den Kleidern ist so knapp;
besonders um die Hüften und die Taille,
dass es fast unmöglich ist, die Schuhbänder zu erreichen.

Und die Grössen stimmen nicht mehr:
Grösse 42 und 44 sind soviel kleiner!

Sogar die Leute ändern sich:
Sie sind soviel jünger als sie waren im Vergleich zu der Zeit,
als ich in diesem Alter war.
Andererseits sind die Leute meines Alters soviel älter als ich!

Ich traf neulich eine alte Klassenkameradin, die ist so gealtert,
dass sie mich nicht wiedererkannte.

Ich dachte über die Arme nach, als ich mir die Haare machte,
und dabei schaute ich in mein eigenes Spiegelbild.

Und wirklich: Nicht einmal die Spiegel sind so gut wie früher!

Verfasser Unbekannt

Mensch, Du wirst alt!
Der Name! Mensch, wie war der noch?
Erinnerungen kommen hoch.
Du kramst in der Vergangenheit,
hast tausend Dinge griffbereit.
Doch, wie sich das Hirn auch quält,
der Name! Nur der Name fehlt.
Und sicherlich erkennst Du bald:
So fängt es an. Mensch, Du wirst alt.

Vom vierten Stock steigst Du herunter,
trittst auf die Straße, noch ganz munter.
Doch plötzlich fragst Du Dich verdrossen:
“Hab ich auch oben abgeschlossen?”
Du kannst Dir selber nicht mehr trau’n
und steigst hinauf, um nachzuschau’n.
Und sagst – die Faust vor Zorn geballt:
“So fängt es an. Mensch, Du wirst alt.”

Du brauchst was aus dem Küchenschrank.
Du weißt auch was. Na, Gott sei Dank.
Du öffnest ganz gezielt die Tür
und fragst Dich prompt: “Was wollt’ ich hier?”
Nun grübelst Du. Dich packt der Frust,
denn gerade hast Du’s noch gewusst.
Und so was lässt Dich nicht mehr kalt.
So fängt es an. Mensch, Du wirst alt.

Bevor man eine Reise tut,
versteckt man erst sein Sparbuch gut.
Man ist ja länger nicht zu Haus
und das Versteck kriegt keiner raus.
Kommt man zurück, geht’ s Suchen los:
“Wo habe ich mein Sparbuch bloß?”
Warum ich so was nie behalt?!
So fängt es an. Mensch, Du wirst alt.

Du sitzt im Zug. Du bist auf Reisen.
Da fällt Dir ein: Das Bügeleisen!!!
Von Urlaubsfreuden schon beflügelt,
hast Du noch schnell ein Hemd gebügelt.
Nun denkst Du ständig an zu Haus.
“Mein Gott, ist der Stecker auch raus?”
Zwingst Dich zur Ruhe, mit Gewalt!
So fängt es an. Mensch, Du wirst alt.