Ein Artikel aus der Samstagsausgabe der NZZ, der so wunderbar dieses schweizerisch Ambivalente beschreibt.

Abschliessend noch zwei Streiflichter, die mir einerseits die imaginäre, anderseits aber auch die reale Dimension des Sonderfalls Schweiz offenbarten. So enthielt die aus Bundesbern versandte Einladung zu einem Empfang der britischen Königin zwar keine Verhaltensmassregeln für Ausländer, vermerkte aber zuunterst: «Von Schweizer Bürgerinnen wird kein Hofknicks erwartet.» Das war, wenn man es recht betrachtet, nicht nur die Selbstbehauptung helvetischen Freiheitsgeistes gegenüber den Gepflogenheiten der Monarchie – sondern gleichzeitig auch eine vom übereifrigen Protokollchef vorgeschriebene Einschränkung ebendieser Freiheit. Anderseits passierte es mir in den letzten Jahren meiner Schweizer Zeit öfters, dass ich auf meiner wöchentlichen Zugfahrt zur Universität Freiburg i. Ü. auf der Strecke Zürich–Bern in denselben Wagen wie Bundesrat Moritz Leuenberger zu sitzen kam. Er reiste nur gerade in Begleitung eines Assistenten; keine Bodyguards, kein Drum und Dran, bloss ein Aktenkoffer und eine Zeitung. In einer Welt der kollektiven Panikmache und der gepanzerten Limousinen war das etwas Besonderes. Etwas Schweizerisches.

Diese im Artikel angedeutete Regelwut kommt mich bisweilen teuer zu stehen, ich habe schon wieder zwei neue Radarfallen “entdeckt” und werde auch sonst das Gefühl nicht los, unter Beobachtung zu stehen. Und das mir, da ich ja schon immer eine Aversion gegen Autoritäten und dazu noch legitimierte habe – dieses urdemokratische hat einfach zwei Gesichter. Freiheit hat ihren Preis.