Für viele Zeitgenossen, keineswegs nur doktrinäre Marktkritiker, belegt die Finanz- und Wirtschaftskrise das Versagen der Marktwirtschaft. Diese müsse gezähmt und gebändigt oder gar durch ein besseres System ersetzt werden. Die Anhänger einer freiheitlichen, offenen Ordnung befinden sich in der Defensive. An einer Tagung der liberalen Mont Pèlerin Society in New York tönte es jedoch ganz anders.

Immer wieder ging es natürlich um Fragen der Regulierung. Haben die Regulierungen versagt? Wurde zu wenig reguliert? Richard Cooper, Professor an der Harvard University, stellte die Gegenfrage: Wo waren all die Regulatoren und Aufsichtsbehörden, die es ja in nicht geringer Zahl in allen Ländern gibt? Für ihn ist Basel II, das grosse Regulierungswerk über Eigenmittelausstattung der Banken, an dem rund zehn Jahre gefeilt worden sei, ebenso tot wie für Ferguson. Andere stiessen ins gleiche Horn. Nobelpreisträger Gary Becker (Chicago) etwa meinte, die Geschäftsbanken seien ein besonders stark regulierter Teil der Finanzbranche, hätten aber alles andere als brilliert. Und Sarbanes Oxley diente naheliegenderweise als abschreckendes Beispiel. Fast allgemein sei man nach Enron der Meinung gewesen, es müsse regulatorisch gehandelt werden. Heute sei man sich hingegen ebenso einig, dass man übers Ziel hinausgeschossen habe. Sarbanes Oxley habe den Unternehmen das eigene Urteil, die eigenständige Kontrolle und letztlich auch die Verantwortung weggenommen.

Dennoch sahen, entgegen dem von Liberalismus-Kritikern genussvoll gepflegten Klischee, fast alle, die sich in New York an den Diskussionen beteiligten, eine Rolle für den Staat und für Regulierungen. Es gebe viele gut funktionierende Regeln, und solche brauche es jetzt auch. Aber Qualität sei gefragt, nicht Quantität oder, anders gesagt, nicht mehr, sondern bessere Regeln.

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